KiBiz: Nichts für kleine Kinder

Familie und Jugend

MdL unterstützt Kita-Proteste in Wittener Innenstadt

Witten. „Wir sind eine Einrichtung mit nur einer Gruppe. Wenn KiBiz kommt, können wir dicht machen!“ Cornelia Kleine-Krockhaus, Leiterin der Kita Wirbelwind, setzt deshalb auf Protest. Mit ihren Kollegen aus rund 20 weiteren Einrichtungen informierte sie am 18. August in der Wittener Innenstadt über die Wirkung des „Kinderbildungsgesetzes“ der CDU/FDP-Landesregierung.

Die Kita Wirbelwind betreut 15 Kinder im Alter von vier Monaten bis sechs Jahren – unter ihnen auch behinderte Kinder – und das mehr als 50 Stunden in der Woche. „Mit KiBiz wäre damit Schluss“, befürchtet Kleine-Krockhaus. Ihre Mittel würden jährlich um 30.000 Euro gekürzt, auf lange Sicht fiele eine volle Stelle weg. Mit dem übrigen Personal könne sie kaum planen, wenn die Eltern künftig jedes Jahr neu die Zahl ihrer Betreuungsstunden buchen. Und auch ihre „kleine altersgemischte Gruppe“ sei im KiBiz nicht mehr vorgesehen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 20 Kitas und Kindergärten informierten am 18. August auf dem Berliner Platz und beim Tag der Offenen Tür der Wittener Stadtwerke über das "Kinderbildungsgesetz" (KiBiz).

Ihre Kollegen aus den großen Einrichtungen rechnen ebenfalls mit finanziellen Lücken und Personalabbau. Grund hierfür seien die künftig auf die Anzahl der Kinder bezogenen Förderungen, die letztlich die Etats der Kitas schrumpfen ließen. „Ich habe eine langzeiterkrankte Kollegin“, erzählt Detlef Blasberg, Leiter des AWO-Familienzentrums Annen. „Mit weniger Personal könnte ich sie nicht ersetzen. KiBiz funktioniert nicht!“

Trotz befürchteter Kürzungen stehen den Kitas und Kindergärten mehr Aufgaben ins Haus. „34.000 Kinder unter drei Jahren kommen 2008 nach Schätzungen des Landes hinzu“, berichtet SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Stotko, der die Proteste unterstützt. Wie so auch noch mehr Bildung für die Kleinen organisiert werden könne, ist ihm und den Betreuern am Samstag auf dem Berliner Platz schleierhaft. Daher kämpfen sie gemeinsam gegen das Gesetz. Mehr als 30 der 50 Wittener Kitas und Kindergärten führten in der vergangenen Woche Elternabende zum KiBiz durch. „Zu Recht befürchten unsere Eltern eine schlechtere Betreuung“, meint Blasberg.

Unterstützt wurden die Erzieherinnen und Erzieher am Samstag auch von Christel Humme, SPD-Bundestagsabgeordnete und familienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „In Berlin sind sich Familienministerium und SPD einig darin, dass die Kinderbetreuung ausgebaut werden muss. Insbesondere in NRW besteht großer Bedarf. In dieser Situation spart die Landesregierung an den Einrichtungen. Da geht mir der Hut hoch.“ Landespolitiker Stotko: „NRW nimmt heute deutlich mehr Steuern ein als noch vor zwei Jahren. Davon müssen Gelder in die Betreuung fließen.“

 
 

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